Edgar Hilsenrath „Der Nazi und der Frisör“

"Itzig Finkelstein erblickte das Licht der Welt genau zwei Minuten und zweiundzwanzig Sekunden nachdem mich die Hebamme Gretchen Fettwanst mit einem kräftigen Ruck aus dem dunklen Schoß meiner Mutter befreite … wenn man mein Leben als Befreiung bezeichnen kann, was … schließlich und endlich … ziemlich fragwürdig wurde."

Max Schulz

Das doppelte Spiel eines Nazis

Darf man eine Satire über die Juden und den Holocaust schreiben? Edgar Hilsenrath, selbst ein Überlebender des Holocaust, macht es - und schreibt so schwarzhumorig, pointiert und grotesk, dass man seinen Roman nicht mehr aus der Hand legen kann. 

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Richard Ford „Der Womanizer“

"Er wollte, dass die Dinge, was immer für Dinge es waren, nur ihn und nichts als ihn betrafen."

Ein Imperialist der Liebe

Der Amerikaner Martin, treu sorgend verheiratet und kurz vor der Midlife Crisis, reist dienstlich nach Paris. Überzeugt davon, die Frauen besser zu verstehen, als die sich selbst, verfällt er der Verheißung der Stadt von großen Gefühlen. Die erste Französin, die ihm begegnet, wird zum Objekt seines übermächtigen Rausches sehnsüchtiger Liebe, gegen den sie sich kaum erwehren kann.

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Elisabeth Ambras „Die Zunge“

"Über gewisse Dinge spricht man nicht. Ich bin jedenfalls so erzogen worden."

Das delikate Geheimnis einer älteren Frau ist beides: Gesellschaftsroman und erotische Geschichte in einem.  Doch entspringt das Geständnis wirklich dem Herzen einer von den strengen Gesetzen des Anstandes gequälten Frau? - Ihr ahnt es .  

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Lou van Wildern teast den dicken Auster

 

Vier Versionen eines Lebens
Ob das spannend ist? Paul Auster hat definitiv genug Einfälle für alle Versionen seines Alter Egos Archibald Ferguson, der im Amerika der 50er und 60er Jahre aufwächst.

So unterhaltsam und klug schreibt Auster, dass man (fast) keine Seite missen möchte. Ein Fuchs ist er außerdem, der weiß, wie man seine Leser bei der Stange hält. Denn neben den Rassenunruhen und der Studentenbewegung gilt Archibalds nicht nachlassendes Interesse dem Sex und allen ihm innewohnenden Möglichkeiten des Glücks und Unglücks.

Der Reichtum dieser Leben ist mindestens genau so interessant, wie die Antwort auf die Frage, welcher der vier Archibalds denn den 1200 Seiten starken Romans überleben wird. Denn nur einer kann gewinnen.